Grabung Walkenried 2015

Als Kreisheimatpfleger und Leiter der Fachgruppe Ur- und Frühgeschichte / Archäologische Denkmalpflege der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung hatte Klaus Gehmlich im Juli 2015 zum diesjährigen Besuch der Ausgrabung am Kloster Walkenried eingeladen. Wie Kreisarchäologe Dr. Stefan Flindt den Besuchern erklärte, wurden seit 2012 durch diese Grabung wichtige Befunde erhoben und neue Erkenntnisse über die Baugeschichte und das Leben und Arbeiten im Kloster gewonnen.
Vor der Westfassade entdeckte man eine gotische Kelleranlage und einen Heizraum, aber auch den Abschluss der romanischen Kirche. Man fand heraus, dass der romanische Konversentrakt größer als der gotische war, also ein Rückbau stattgefunden hatte, und eine Küche, die um 1180 zu datieren ist. Unter dem romanischen Niveau fand man eine Eichenholz-Leitung, die auf das Jahr 1154 zu datieren ist. In den Jahren 2014 und 2015 bereitete der durch die Grabung führende Mühlgraben besondere Schwierigkeiten, der zudem durch die Kelleranlage des einstigen Amtshauses umgeleitet war. Südlich des Refektoriums stellte man einen mittelalterlichen Gips-Brennofen, ein Gebäude mit Fliesen-Fußboden und ein Areal handwerklicher Tätigkeiten fest, unter anderem Gussgruben und -formen. Allerdings konnte der Platz noch nicht aufgespürt werden, wo die Brunnenschale aus der Klosteranlage gegossen wurde. Zu bedauern ist auch, dass der obere Teil des Brennofens durch den Lauf-Horizont des ehemaligen Amtshauses regelrecht „abrasiert“ wurde. Dieser Brennofen stellt nach Form und Größe sowie dem Erhaltungszustand eine Besonderheit dar. Die anwesenden Heimatforscher hoffen, dass er in irgendeiner Form erhalten werden kann. Dr. Flindt machte auf die unterschiedliche Qualität der Fundamente aufmerksam, die auch die jeweilige wirtschaftliche Lage des Klosters widerspiegeln. Unter den Funden, unter anderem Schreibgriffel, Gürtelschnalle und Bronze-Waage, befindet sich eine weitere Besonderheit: eine mittelalterliche Pilger-Ampulle aus Blei.